Hormonelle Kontrazeptiva – sichere Verhütung auch unter Antibiotika?

Das Thema Antibiotikaeinnahme und Sicherheit der Pille ist eine häufige Frage in der Frauenarztpraxis. Wie sind dazu die aktuellen internationalen Empfehlungen?

Nur noch die selten verordneten Antibiotika zur Tuberkulosetherapie Rifamycin-Antibiotika Rifampicin und Rifabutin können über die Anregung des Leberstoffwechsels den Abbau der hormonellen Kontrazeptiva, also der Pille, beschleunigen und damit die Sicherheit der Verhütung einschränken.

Für alle anderen hierzulande angebotenen Antibiotika sind dagegen keine Effekte bekannt, die die Wirksamkeit der Pille einschränken. Trotzdem wiesen bis vor kurzem viele Fach- und Gebrauchsinformationen kombinierter hormoneller Kontrazeptiva darauf hin, dass bei gleichzeitiger Anwendung von Antibiotika zusätzliche nichthormonelle Verhütungsmethoden wie zum Beispiel Kondom verwendet werden sollen.

Laut einer aktuellen systematischen Übersicht liegen zwar Berichte und unkontrollierte Beobachtungsstudien zu Pillen-Anwenderinnen vor, die während einer antibiotischen Therapie schwanger geworden sind. Diese berücksichtigen aber nicht das Hintergrundrisiko für Schwangerschaften unter oralen Kontrazeptiva, das aufgrund von Anwendungsfehlern bis zu 90% betragen kann.

Daten aus kontrollierten Beobachtungsstudien sprechen hingegen nicht für eine Wechselwirkung, die die kontrazeptive Sicherheit beeinträchtigt.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) wie auch verschiedene medizinische Fachgesellschaften äußern deshalb schon seit Jahren keine Bedenken mehr gegen die gleichzeitige Anwendung von Antibiotika und kombinierten hormonellen Kontrazeptiva , also der Pille. Deshalb hat sich im März 2015 auch eine europäische ärztliche Koordinierungsgruppe dafür ausgesprochen, den Warnhinweis vor Wechselwirkungen zumindest aus den Produktinformationen kombinierter oraler Kontrazeptiva (= Pille) und Antibiotika zu streichen.

Nur wenn unter diesen Antibiotika Durchfall oder Erbrechen auftritt, muss weiterhin von einer verminderten Sicherheit der Pille (=oraler Kontrazeptiva) ausgegangen werden.

Auch die Empfehlungen von WHO und Fachgesellschaften aber auch die Produktinformationen zu anderen Darreichungsformen der Pille (=kombinierter Kontrazeptiva) wie Hormonpflaster (EVRA) oder intravaginaler Ring (NUVARING u.a.) weisen inzwischen nicht mehr auf die Wechselwirkung der Wirkungseinschränkung der Pille hin.