Warum wir Krebs bekommen

Im hohen Alter sind Tumore nicht ungewöhnlich, aber auch Kinder können erkranken.

Was sind die Ursachen für die Wucherungen?

Das Altern stellen wir uns meist als einen aktiven Vorgang vor, wie eine Art Reifung. In Wahrheit ist es aber nichts anderes, als ein Nachlassen der Präzision all jener Prozesse, die den Körper in einem jungen Zustand erhalten. Wenn Körperzellen zum Beispiel ihre Erbinformationen nicht mehr so sorgfältig reparieren, kann Krebs entstehen.

  • Der moderne Mensch lebt heute deutlich länger als früher. Diese erhöhte Lebenserwartung hat entscheidende Begleiterscheinungen, dazu zählt die Krebserkrankung. 75% aller Krebserkrankungen werden deshalb auch nach dem 60. Lebensjahr diagnostiziert. Das Risiko, zum Beispiel an Darmkrebs zu erkranken, liegt für einen 70 jährigen Mann 1000 mal höher als bei einem 10 jährigen Jungen.
  • Und Krebs tritt deutlich seltener bei Kindern auf: Eine auf 100 Tumordiagnosen wird bei Kindern unter 14 Jahren gestellt. Weil der kindliche Körper stetig wächst, sind bei ihnen die Schutz- und Zellreparaturmechanismen besonders wachsam.
  • Nimmt man sich die Altersgruppe der 25- bis 49 Jährigen vor, verhält es sich in dieser Gruppe so, dass ein Zehntel aller Neuerkrankungen auf diese Gruppe fällt.

Fasst man alle Fälle zusammen, erhält jeder Dritte irgendwann in seinem Leben eine Krebsdiagnose.

Dass das eigene Verhalten erheblichen Einfluss auf das Entstehen von Krebs und die Häufigkeit hat, wird gerne unterschätzt. Bei Männern die nie rauchten, erkrankten kaum 2 von 100 an Lungenkrebs. Bei lebenslang starken Rauchern erkranken 24 von 100. Halbieren starke Raucher ihren Konsum an Zigaretten täglich, sinkt z.B. das Risiko, an Lungenkrebs zu erkranken innerhalb von 5-10 Jahren um 30%.

Warum Krebs mit steigendem Alter häufiger wird, dazu gibt es mehrere Theorien:

  • Molekulare Reparatursysteme, die beim Kopieren der DNA die entstehenden Fehler korrigieren sollen, arbeiten zunehmend unsauberer.
  • Im Alter sind die Reparatursysteme selbst Altersprozessen ausgesetzt. Auch bestimmte Viren können zu Krebswucherungen führen.
  • Chronisch entzündliche Prozesse können die unkontrollierten Wucherungen beschleunigen, wenn die Immunabwehr weniger wachsam reagiert.

Während die Neuerkrankungsrate vom 60. Lebensjahr an extrem steigt, sinkt sie erstaunlicherweise nach dem 95. Lebensjahr wieder ab. Die Theorie dazu vermutet, dass im hohen Alter auch den Krebszellen die Kraft ausgeht, sich unkontrolliert zu vermehren.

Diese Tatsache lässt aber die Hochbetagten zu einer interessanten Gruppe für die Pharmaindustrie werden. Man hofft, in ihrem Erbgut einen Schlüssel für Therapien gegen typische Alterskrankheiten zu finden.

Quelle: FAZ Sonntagszeitung Nr.27 Volker Stollorz

 

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