„Komm doch endlich auf die Welt!“

Tricks zur Geburtseinleitung?

Steht die Geburt kurz bevor, wollen viele Schwangere, dass es möglichst bald zur Entbindung kommt. Die Liste der Tricks und Hausmittelchen, die angeblich helfen sollen, ist lang. Aber was bringen sie wirklich?

Treppensteigen,

bringt wohl ausser Mühen und Schweiss wenig. Zwar kann starke körperliche Belastung Wehen auslösend sein, doch an diese Grenze kommen schwangere Frauen praktisch nie. Und provozieren sollte man dies auch nicht! Insofern liegt es an dem Bewegungsbedürfnis individuell jeder Einzelnen, ob sie sich um den Geburtstermin eher zurückhaltend oder eher sportiv mehr bewegt.

Himbeerblättertee

Zum Weichmachen des Muttermundes bzw. des Dammes. Leider gibt es keine Studie, die diese Behauptung unterstützt. Allerdings ist auch grundsätzlich nichts dagegen einzuwenden, so dass das Teetrinken zumindest zu einem Entspannungseffekt für die Frau führt. Die in Internetforum wehenanregend angepriesenen Pflanzen wie Eisenkraut, Zimt, Ingwer oder Nelken sind wahrscheinlich harmlos. Da aber die Dosierung unbekannt bleibt, ist davon eher abzuraten.

Nelkenöl

Angeblich soll ein in Nelkenöl getränkter Tampon den Startschuss geben. Wegen fehlender Beweislage und eventueller Reizung der Scheidenschleimhaut sollte darauf verzichtet werden.

Homöopathie und Akupunktur

Trotz vereinzelter Studien kann nicht abschliessend gesagt werden, ob diese Methoden wirken oder womöglich eher schaden. Eine grössere Studie aus Deutschland liess aber die Vermutung offen, dass die Nadelung bestimmter Akupunkturpunkte ab der 37. Schwangerschaftswoche zu einer zeitlichen Verkürzung der Geburtseröffnungsperiode um durchschnittlich 20% führt.

Massage der Brustwarzen

Die Massage der Brustwarzen zielt auf die Ausschüttung des Oxytocins hin, ein Hormon, das entscheidend für den Geburtsprozess ist. Effekte sind bisher nicht bestätigt.

Rizinusöl

Dieser sog. „Wehencocktail“ kann zu Darmkrämpfen und teilweise schweren Durchfällen führen. Anders als bei einem Darmeinlauf hören diese aber nach einigen Entleerungen nicht wieder auf. Die Idee dahinter, dass starke Bewegungen der Darmmuskulatur auch die Gebärmutter aktiviert, konnte in aktuellen Studien nicht bestätigt werden. Der Beweis, dass Rizinusöl die Geburt schneller einleitet, als ein Plazebo, also ein unwirksames Scheinmedikament, wurde nicht erbracht.

Einlauf und scharfes Essen

Beides zielt ebenfalls auf die Anregung der Darmtätigkeit ab, die sich auf die Gebärmutter übertragen soll, ist aber ebenfalls nicht durch Studien gesichert.

Das heisse Bad

wird auch in der Klinik oft versucht, damit sich die Muskulatur entspannt. Dagegen spricht nichts, allerdings kann es gelegentlich auch mal zu einem Blutdruckabfall und schlimmstenfalls zu einer Ohnmacht kommen. Deshalb sollte immer jemand in der Nähe sein.

Geschlechtsverkehr

Amazonas-Indianer versuchen am Ende der Schwangerschaft, die Geburt durch häufigen Geschlechtsverkehr auszulösen. Man weiss inzwischen, dass Sperma das wehenstimulierende Gewebshormon Prostaglandin enthält. Ob die Konzentration im Sperma jedoch ausreicht, um Wehen auszulösen, ist fraglich.

Setzen nach dem Intimkontakt Wehen ein, könnte es ebenso gut an der mechanischen Beanspruchung des Muttermundes liegen oder am Anstieg des ebenfalls wehenwirksamen Hormons Oxytocin. Vielleicht wäre es aber gerade sowieso zur Geburt gekommen.

In einem sind sich am Ende Frauenärzte und Hebammen einig

Den Geburtsbeginn kann man nicht erzwingen. Daher helfen alle Versuche nur, wenn der Körper schon bereit ist.

Auch das Fazit der Forscher, die hochschwangere Frauen befragten, lautet: Trotz aller Versuche der Frauen, die Geburt selbst anzustossen, kristallisierte sich heraus, dass die werdende Mutter keine Kontrolle darüber hat. Forschern zufolge beginnt der Prozess erst dann, wenn der Fötus bestimmte Hormone ausschüttet.

Quelle: FAZ 8.6.14 Jasmin Andresch

 

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