Das Reizdarm-Syndrom: Die neue Volkskrankheit?

Viele Menschen leiden regelmässig, wenn nicht ständig unter starkem Durchfall, Blähungen, die auch schmerzhaft sein können. Die Stuhlhäufigkeit und die Stuhlpassage sind verändert, des Weiteren kommt es zu vermehrtem Schleimabgang aus dem Darm.

Die Diagnose lautet dann von ärztlicher Seite oft: Reizdarm-Syndrom.

Nach Schätzungen sollen 15-20% der Menschen in den Industrieländern betroffen sein. Frauen dabei häufiger als Männer.

Als Ursache vermutet man drei mögliche Hintergründe

  1. Wer die beschriebenen Symptome hat, geht in der Regel erst einmal zum Hausarzt, der veranlasst eine Magen-Darm-Spiegelung oder Ultraschall, bei der sich aber nichts findet. Auch Blut-und Hauttests sind meist ohne Ergebnis, eine Unverträglichkeit z.B. gegen Lactosekann auch nicht immer nachgewiesen werden.
    Bei einem Drittel (30%) ist die Psyche die wichtigste Ursache für das Reizdarm-Syndrom. Hier besteht bei den Patienten häufig eine ausgesprochene Belastungssituation, der Patient durchlebt eine Konfliktsituation, die er akut oder chronisch nicht allein auflösen kann.
  2. Inzwischen hat die Forschung allerdings gezeigt, dass es sich aber bei etwa 30% um eine organische Erkrankung handelt. Forscher entdeckten eine Reihe von Stoffen, die, wenn sie von Patienten mit Reizdarm-Syndrom bei der Ernährung vermieden werden, oft zu einer Verbesserung der Beschwerden führen.
    Diese Stoffe werden unter der Abkürzung „FODMAP“ zusammengefasst. Sie umfassen einige Kohlenhydrate und mehrwertige Alkohole, die in vielen Lebensmitteln vorkommen. Dazu zählen auch Fructose, das in den meisten Obst-und Gemüsesorten enthalten ist, die vor allem in Milch enthaltene Lactose und Sorbitol, ein Süssungsmittel. Auf diese Lebensmittel zu verzichten, ist entsprechend schwierig, aber bei ca. 30% der Patienten mit Reizdarm-Syndrom wohl die wirksamste Behandlungsmethode.
  3. Und in weiteren 30% der Patienten ist das Reizdarm-Syndrom die Folge einer früheren Infektion. So kann z.B. eine Durchfallerkrankung der Auslöser für die meist chronischen Beschwerden sein. Hinzu kommt, dass diese Betroffenen oft auch ein dichteres Nervennetz in der Darmregion haben und deswegen empfindlicher auf Schmerzen reagieren.

Als Therapiemöglichkeit besteht neben der Ernährungsumstellung auch eine Behandlung, bei der der Darm mit gesundheitsfördernden Bakterien, also Probiotika, besiedelt wird.

Auch eine zeitlich begrenzte, begleitende Gesprächspsychotherapie ist zu diskutieren.

Aber auch das kann eine umfassende Linderung von heute auf morgen nicht erwarten lassen, denn: Reizdarm-Patienten braucht Geduld.

Aussicht

In einigen Jahren könnte ein Schnelltest für das Reizdarm-Syndrom zur Verfügung stehen, der 30% der Patienten mit organischer Ursache für das Reizdarm-Syndrom helfen könnte.

Nicht zu vergessen ist aber, dass Ursache für die Beschwerden unser aller Wunsch nach extrem günstigen Lebensmitteln ist, die wir essen wollen (z.B. Brot), weswegen in der Produktion viele Chemikalien eingesetzt werden.

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