Infektionen in der Schwangerschaft

Masern

95% der geimpften und nichtgeimpften Patientinnen haben einen Schutztiter mit Antikörpern, so dass eine neue Infektion in der Schwangerschaft nicht mehr möglich ist.
Eine sehr seltene Maserninfektion kann bei der Mutter zu Komplikationen wie Bronchitis, Lungenentzündung oder Mittelohrentzündung führen.
Das Masernvirus richtet bei Embryo oder Fötus allerdings keine Schäden an.

Mumps

Ungefähr 15% der Patientinnen haben im schwangerschaftsfähigen Alter keinen Schutztiter. Das Mumpsvirus gilt aber nicht als besonders ansteckungsfreudig und löst auch keine Schädigungen bei Embryo oder Fötus aus. Sehr seltene frühe Fehlgeburten sind möglich.

Röteln

Etwa 10% der Frauen sind nicht immun und damit nicht vor einer Infektion in der Schwangerschaft geschützt. Das Rötelnvirus bedeutet bei einer Infektion in der Frühschwangerschaft eine grosse Gefahr für den Embryo (Herzmissbildung ca. 30%) bis zur 12. Schwangerschaftswoche.
Bei einer Kindergärtnerin sollte bei in der Umgebung bekannt gewordenen Rötelninfektionen dann eine Freistellung bis zur 16. Schwangerschaftswoche erfolgen.
Im übrigen sind in den letzten Jahren nur vereinzelte Fälle von konnatalen Röteln gemeldet worden (2001, 2002 und 2003 je 1Fall/Jahr !)

Ringelröteln

Über 60% der Frauen im schwangerschaftsfähigen Alter sind durch eine in der Vergangenheit durchgemachte Infektion geschützt. Eine Gefahr bei einer Erkrankung während der Schwangerschaft liegt in der möglichen Erkrankung des ungeborenen Kindes (Hydrops fetalis). Diese ist jedoch ausserordentlich selten. Eine Freistellung von Schwangeren ohne Schutztiter (Kindergärtnerinnen) erscheint nur bei einer bekannten Fallhäufung in der Umgebung gerechtfertigt.

Zytomegalievirus = CMV

CMV ist der häufigste Erreger von Infektionen des ungeborenen Kindes in der Schwangerschaft. Bei bis zu 4% aller Schwangeren ohne Hinweise für eine ältere, bereits durchgemachte Infektion (=seronegativ) kommt es zu einer Erstinfektion; bei bis zu 20% aller Patientinnen mit Hinweisen für eine früher durchgemachte Infektion (seropositiv) kommt es zu einer Reaktivierung.
Als Folge dieser Infektion sind 1% aller Neugeborenen Virusausscheider und von diesen können bis zu 10%  (d.h.0,1 % = ca.700 Neugeborenen ) mit Infektionsfolgen rechnen. Diese können in Gehirnhautentzündungen, Leber- und Milzvergrösserungen, Gelbverfärbung der Haut (Ikterus) und Verkalkungen im Gehirn bestehen. Auch Spätschäden wie Hörverlust, geistige Retardierung und Verhaltensstörungen  sind möglich.
Bei Personen, die Kinder unter 3 Jahren beruflich betreuen, ist ggf. ein Beschäftigungsverbot zu erwägen.

Varizellen (Windpocken)

Weniger als 5% der Frauen im gebährfähigen Alter sind ohne Titerschutz (seroneagtiv). Damit ist mit 1 bis 7 Varizellenfällen  auf 10.000 Schwangerschaften zu rechnen. Die Erstinfektion bis zum 2. Drittel der Schwangerschaft führt zu einer Infektion des Fötus, dabei in 88% ohne klinische Auffälligkeit (also versteckt), verursacht bei bis zu 12% davon kindliche Fehlbildungen. Die Gefährdung ist also gering, es ist mit 2,2% der weniger als 5% seronegativen Schwangeren mit einer Erkrankung des Föten zu rechnen ( ca. damit 700 Fälle pro Jahr in Deutschland). Dabei treten Hautveränderungen, Augenerkrankungen, Defekte des Gehirns und Krampfneigungen auf.
Bei der mütterlichen Erkrankung 5 Tage vor und 2 Tage nach Entbindung gibt es in jedem 3. Fall (30%) beim Neugeborenen  zum Teil lebensbedrohliche Windpocken.

Toxoplasmose

Etwa 40% der Erwachsenen besitzen Antikörper gegen Toxoplasmen, d.h. sie sind geschützt. Die Übertragung erfolgt vorwiegend z.B. über Strassenstaub, d.h. die meisten Infektionen erfolgen ohne eigene Katze.
Die Infektion mit Toxoplasmen läuft häufig ohne auffallende Symptome ab, höchstens mit leichten grippalen Symptomen. Eine Infektion in der Schwangerschaft ist gefürchtet, da es zu einer Infektion des Kindes in der Gebärmutter kommen kann. Folgeschäden für das Kind bei einer Infektion in der Schwangerschaft (z.B. neurologische Schäden) können auch noch Jahre nach der Geburt auftauchen. Da die Infektion in der Schwangerschaft so milde und untypisch abläuft, kann nur ein Screening (Blutuntersuchung am Anfang und am Ende der Schwangerschaft) das Risiko erkennen. Schätzungen gehen von bis zu 0,5% Erst-Infektionen in der Schwangerschaft aus. Eine rechtzeitige Antibiotikatherapie der Mutter kann das Infektionsrisiko und damit das Schädigungsrisiko des Kindes deutlich senken.

Ausblick

Generell sind die meisten der oben genannten Krankheiten durch Impfung verhütbar. Im Rahmen von Informationsveranstaltungen sollten alle Eltern auf die Wichtigkeit der genannten Impfungen hingewiesen werden.

 

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