Diese verfluchten Herpes-Bläschen!

Praktisch jeder Mensch ist mit Herpesviren infiziert. Bricht die Krankheit aus, kann das extrem belastend sein. Was kann man tun?

Nicht jedem, der mit Herpes simplex –Virus-Typ I infiziert ist, und das sind immerhin 90% der Bevölkerung, schwillt zwangsläufig die Lippe. Doch einige Leidtragende müssen immer damit rechnen. Vielleicht bei Fieber, der Menstruation und in Situationen, in denen sie starker UV-Strahlung, Stress oder Krankheit ausgesetzt sind. Wenn sich dann Viren, die sich mitunter vor Jahren in den Nervenzellen eingenistet haben, schmerzhaft an die Hautoberfläche drängen, treten die Beschwerden mit brennenden Bläschen auf.

Immerhin gibt es heute antivirale Medikamente, deren Wirkung nicht auf Placebo-Effekt beruht, wie im Falle der meisten Hausmittelchen. Diese antiviralen Mittel hemmen die  Virusvermehrung.

Mit dem Wirkstoff Aciclovir, der in den achtziger Jahren auf den Markt kam, liess sich die Therapie deutlich verbessern. Das Medikament hemmt die Virusvermehrung.

Aktuelle Studien zielen in eine andere Richtung, nämlich der Entwicklung eines Impfstoffes und von Substanzen, die eine Ansteckung stärker unterbinden. Die derzeitigen Mittel können den Patienten zwar helfen, doch die Viren werden trotzdem noch unbemerkt freigesetzt und auf andere Menschen übertragen. Insbesondere bei Genitalherpes, bei dem sich die Erreger unterhalb der Gürtellinie ansiedeln, ist das ein ernstes Problem. Lange Zeit galt die Meinung, dass für den Genitalherpes ein anderer, nämlich der Virustyp 2 verantwortlich ist. Doch inzwischen ist der Typ 1 im Lippen- und Genitalbereich genauso häufig wie Typ 2.

Herpes kann praktisch überall auftreten, wo Nervenknoten bzw. ihre Nervenzellen hinführen.

Aber die Herpesviren als Krankheitserreger beschränken sich nicht auf Mundraum und Unterleib. Acht verschiedene Arten befallen vorwiegend den Menschen, darunter sind die Verursacher von Windpocken und Pfeifferschem Drüsenfieber. Gegen das verwandte Varizellen Zoster-Virus, das Windpocken und im weiteren Verlauf Gürtelrose verursachen kann, wurden inzwischen Impfstoffe entwickelt. Es empfiehlt sich, Kinder gegen Varizellen und Erwachsene über 50 Jahre gegen Zoster zu impfen.

Dass man sich mit Herpes angesteckt hat, merken die meisten nicht. Irgendwann tauchen ein paar Bläschen auf, es handelt sich dann um ein Rezidiv (wiederkehrende Infektion).

Manche erkranken aber schon wenige Tage nach der Erstinfektion schwer: Der Allgemeinzustand ist reduziert, man fühlt sich gerade bei Genitalherpes richtig krank. Fieber, starke Schmerzen und empfindsame Lymphknoten können die heftige Ersterkrankung begleiten, der Heilungsprozess kann Wochen dauern .Die Behandlung beginnt mit mehreren Tabletten Aciclovir täglich für mehrere Tage.

Salben bringen hierbei selten den gewünschten Effekt, weil sie nicht zu dem Ort der Virusvermehrung vordringen und nur örtlich etwas lindern, indem sie die Hautspannung verringern. Manche Menschen leiden dann über Jahre und mehrfach im Jahr wiederholt an immer wiederkehrenden Ausbrüchen der Herpeserkrankung.

Solche wiederkehrenden Ereignisse lassen sich jedoch mit einer niedrig dosierten, gut verträglichen längeren Unterdrückungstherapie verhindern.

Solange die Patienten die Tabletten schlucken, ist es deutlich besser. Nach Absetzen kann es aber auch schnell wieder so sein wie vorher.

Ein Impfstoff gegen Herpes konnte bisher nicht entwickelt werden. Eine neue Substanz (Pritelivir), die ein virales Enzym hemmt, hat in ersten Studien die Virusfreisetzung und die Dauer eines Herpesausbruches deutlich abnehmen lassen und gilt damit als Zukunftshoffnung. Doch leider nimmt es viel Zeit in Anspruch, ein neues Medikament oder einen neuen Impfstoff zu entwickeln. Man kann aber sicher optimistisch sein, das bis 2020 etwas Neues und hilfreiches gegen Herpes auf den Markt kommen wird.

Quelle: FASonntagszeitung Nr.25 Sonja Kastilan

 

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